Muli-Sympathikus

15:40:00

Die Evolution schreitet unaufhaltsam voran. Bestes Beispiel: Das Muli. Bevorzugte die äußerst belastbare und genügsame Kreuzung aus  Pferdestute und Eselhengst bisher eher unwegsames Terrain jenseits der Zivilisation, hat es jetzt die Metropolen dieser Republik als attraktiven Lebensraum für sich entdeckt. Vorzugsweise tummelt sich der Hybride in schicken Bars und hippen Clubs, er wurde aber auch schon in edlen Restaurants und, wer hätte das gedacht, dunklen Spelunken gesichtet. Aufmerksame Konsumenten berichten, ganze Muli-Gruppen ständen mittlerweile in Supermarkt-Regalen stramm. Vereinzelt sollen sie sogar als Haustier gehalten werden. Kann das? Darf das? Wie kommt das?
Foto: HANNAH.KONDA, Hannah van Alen
Verantwortlich für diese ungewöhnliche Entwicklung sind Alexander Roloff, Daniel Fehlow und Hendrik Kröger. Muli-Züchter? Eher nicht. Kreative Köpfe – oh ja! Eines guten Tages hatte das Hauptstadt-Trio nämlich eine Schnaps-Idee: MULI68, einen jungen, frischen Kräuterlikör. Ob die Namensfindung nüchtern erfolgte, entzieht sich der Autoren-Kenntnis. Liest man allerdings die auf Facebook erzählte Entstehungsgeschichte, sind zumindest Zweifel angebracht.

Ganz anders bei der Aufmachung des Produktes. Die ist nüchtern und selbst nüchtern betrachtet richtig gut: Eine schlichte, schwarz mattierte Flasche, ein quadratisches Logo samt abstrahiertem Muli-Sympathikus sowie eine klare und auf das Wesentliche reduzierte Typographie ergeben einen so stimmigen wie zeitgemäßen Auftritt. Damit hebt sich MULI68 sichtbar von seinen zahlreichen aber meist deutlich verspielter und traditioneller auftretenden Wettbewerbern ab. Dafür den Doppeldaumen.

Nach EU-Verordnung darf sich, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, Likör nennen, was u.a. über wenigstens 15 Vol.-% Alkohol und einen Zuckeranteil von mindestens 100 g pro Liter verfügt. Zwei Hürden, die der MULI68 nimmt. Beim Alkohol locker (38 Vol.-%), beim Zucker denkbar knapp (laut Herstellerangaben 105 g/l). Ist halt kein Springpferd so ein Muli. Zum Glück. Denn die geringe Süße verleiht der vergleichsweise hellen und leicht öligen Spirituose eine erstaunliche Leichtigkeit und Frische. Nichts klebt, nichts pappt, nichts legt sich belagig auf die Zunge. Bravo!

Dafür bahnt sich peu à peu eine lässige, aber nicht zu überschmeckende Schärfe ihren Weg. Verantwortlich dafür ist Ingwer, der neben Anis, Enzian, Zitrone, Orange, Zimt und Nelke zu den Hauptbestandteilen der natürlich geheimen Muli-Rezeptur gehört, und der insgesamt so komplexen wie harmonischen Textur eine knackige Komponente verleiht.

Hergestellt wird MULI68 übrigens in einem kleinen Familienbetrieb im Sauerland. Eine ländliche Region, in der sich auch vierbeinige  Maultiere wohlfühlen dürften. Was den Preis betrifft, gibt sich der Kräuterlikör allerdings metropolisch. In der Regel werden im (Online-)Handel knapp 20 Euro für die 500 „Muliliterflasche“ aufgerufen, vereinzelt findet man jedoch auch günstigere Angebote.

Der britische Naturforscher und Evolutionstheoretiker Charles Darwin hat, so ist es auf Wikipedia nachzulesen, in Bezug auf die physischen Eigenschaften des Mulis einmal folgendes formuliert: „Das Maultier scheint mir ein sehr erstaunliches Tier zu sein; es macht den Anschein, dass hier die Kunst die Natur übertroffen hat.“ Dem schließe ich mich mit Blick auf den Kräuter-Muli schlicht und einfach mal an.

Mehr zu MULI68, der Geschichte und seiner Philosophie gibt’s unter www.muli68.de.

5 von 5 Gläsern


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